Die Grammatik im Detail
は und が, das Paar, das am meisten Mühe macht
Beide bleiben fast immer unübersetzt, und beide können hinter dem stehen, was im Deutschen das Subjekt wäre, also hilft unsere Sprache nicht weiter. Die Grundidee ist: は stellt das Thema vor, das, worüber gesprochen wird, und が zeigt an, wer etwas tut oder was etwas ist, vor allem, wenn es neue Information ist. 私は学生です ist «was mich betrifft: ich bin Student»: das Thema bin ich. 田中さんが来ました antwortet auf «wer ist gekommen?»: die Neuigkeit ist Tanaka. Deshalb steht hinter einem Fragewort が und nicht は: 誰が来ましたか.
Mit der Zeit tauchen Verwendungen auf, die die Grundidee allein nicht erklärt. は dient zum Kontrastieren: 肉は食べません ist «Fleisch esse ich nicht» und deutet an, dass man anderes durchaus isst. が begleitet Verben und Adjektive, die im Deutschen anders gebaut werden: 猫が好きです, «ich mag Katzen», oder 日本語がわかります, «ich verstehe Japanisch». Und beide können im selben Satz stehen: 象は鼻が長い, «der Elefant hat einen langen Rüssel», mit dem Elefanten als Thema und dem Rüssel als Subjekt. Man lernt es eher mit vielen Beispielen als mit einer Regel.
Drei Verbgruppen und die て-Form
Fast alles, was man mit einem japanischen Verb macht, beginnt damit, zu wissen, zu welcher Gruppe es gehört. Die Verben der Gruppe 1 konjugieren, indem sie den Vokal der letzten Silbe ändern: 書く ergibt 書きます und 書かない. Die der Gruppe 2 enden auf -iru oder -eru und nehmen einfach das る weg: 食べる, 食べます, 食べない. Und Gruppe 3 sind zwei unregelmäßige Verben, する und 来る. Die Falle: einige Verben auf -iru oder -eru gehören zu Gruppe 1, wie 帰る (zurückkehren) oder 入る (hineingehen), und müssen eigens gelernt werden.
Die て-Form ist die, die am meisten Arbeit leistet. Sie dient zum Bitten (待ってください), für das, was gerade geschieht (食べています), zum Verketten von Handlungen (起きて、食べて、出かけます) und um Erlaubnis zu bitten (入ってもいいですか). Sie wird nach der letzten Silbe der Wörterbuchform gebildet: う, つ und る ergeben って; む, ぶ und ぬ ergeben んで; く ergibt いて und ぐ いで; す ergibt して. Und es gibt eine Ausnahme, die sofort auftaucht: 行く wird zu 行って. Im Kurs hat sie auf Stufe N5 ihre eigene Einheit, vor allem, was sie benutzt.
Alles, was beschreibt, steht davor
Im Japanischen steht das, was ein Wort näher bestimmt, vor diesem Wort. Bei Adjektiven ist das leicht, wie im Deutschen: 高い山, «hoher Berg»; 静かな町, «ruhige Stadt», mit な bei den Adjektiven dieser Gruppe. Bei Substantiven benutzt man の: 日本の車, «japanisches Auto». Und bei ganzen Sätzen braucht es nichts: der Satz steht in seiner einfachen Form vor dem Substantiv, ohne ein Relativpronomen, das ihn anbindet. 昨日買った本 ist «das Buch, das ich gestern gekauft habe», und liest sich etwa wie «gestern gekauft Buch».
Das erlaubt lange Sätze, die andersherum geordnet sind als ein deutscher Relativsatz. 日本で働いている友達 ist «ein Freund, der in Japan arbeitet», liest sich aber «in Japan arbeitend Freund», und erst am Ende weiß man, von wem die Rede ist. Im Kleinen kennt das Deutsche das schon: «ein in Japan arbeitender Freund». Die Gewohnheit, die man sich aneignen muss, ist, auf das Substantiv zu warten und zurückzuschauen. Und derselbe Mechanismus macht mit の oder こと aus einer Handlung eine Sache: 泳ぐのが好きです, «ich schwimme gern», heißt wörtlich «das Schwimmen mag ich».
Was man weglässt und was man am Ende anhängt
Wenn klar ist, von wem die Rede ist, wird es im Japanischen nicht gesagt. 行きます kann «ich gehe», «wir gehen» oder «er geht» sein, und der Kontext entscheidet. In jedem Satz 私は zu wiederholen, wie es beim Übersetzen aus dem Deutschen herauskäme, klingt schwerfällig und unnatürlich. Auch bereits erwähnte Objekte werden nicht wiederholt. Das verlangt ein anderes Zuhören: statt in jedem Satz das Subjekt zu suchen, muss man im Blick behalten, wer im Gespräch vorkommt und worüber gerade gesprochen wurde.
Was dagegen angehängt wird, ist eine Partikel am Ende, die den Ton setzt. ね sucht Einvernehmen oder Bestätigung, wie ein «nicht wahr?» oder «ne?»: いい天気ですね. よ bringt etwas ein, das der andere nicht weiß, wie ein «sag ich dir»: おいしいですよ. か macht den Satz zur Frage, und よね verbindet die ersten beiden: «ist doch so, oder?». Sie ändern den Inhalt nicht, aber ohne sie klingt gesprochenes Japanisch trocken, und zu viel よ kann aufdringlich wirken. Man lernt sie, indem man sie in echten Sätzen hört, nicht aus Tabellen.